Paul Müller: DDT – Gift für die Welt / swissnex New York

Im Jahr 1939 macht Paul Müller, Chemiker in Basel, eine bahnbrechende Entdeckung: DDT wird bald als Wunderchemikalie für den breiten Einsatz in der Landwirtschaft und zur Krankheitsbekämpfung gefeiert. Heute ist es zu einem Symbol für Umweltverschmutzung geworden, die unbeabsichtigt neue, ökologische Herangehensweisen an die Umwelt auslöste.

Straßburg, 1874. Othmar Zeidler beschreibt eine chemische Verbindung, die aufgrund ihrer einfachen Struktur den nicht so einfachen Namen Dichlordiphenyltrichlorethan erhält.

60 Jahre Vorlauf: Ein Forscherteam von Geigy in Basel versucht, ein Pestizid synthetisch herzustellen. Eines der Teammitglieder, der Chemiker Paul Müller, experimentiert mit Substanzen, die auf einem marktführenden Mottengift basieren.

Kleine Dosis, große Wirkung…

Vier Jahre und 350 Substanzen später: Im September 1939 trägt Müller die Formel für Dichlordiphenyltrichlorethan in seinen Forschungskalender ein. Er testet es an Bluebottle-Fliegen und stellt fest, dass es in kleinen Dosen und über einen längeren Zeitraum wirkt.

1942: DDT ist patentiert und wird in zwei kommerziellen Pestiziden auf den Markt gebracht. In den nächsten Jahren wird DDT zu einem der am häufigsten verwendeten Pestizide in der Landwirtschaft. Es wird auch verwendet, um Menschen vor durch Insekten übertragenen Krankheiten wie Typhus und Malaria zu schützen.

1945: Beschwerden, dass die Substanz nicht mehr wirksam ist, kommen aus der Schweiz und Schweden. Ähnliche Berichte tauchen einige Jahre später in den USA auf. Es wird deutlich, dass Insekten eine Resistenz gegen DDT entwickelt haben.

Stockholm, 1948: Paul Müller erhält den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin “für seine Entdeckung der hohen Wirksamkeit von DDT als Kontaktgift gegen mehrere Arthropoden”.

…und noch größere Nebenwirkungen

1962: Die amerikanische Biologin Rachel Carson veröffentlicht ihr bahnbrechendes Buch Silent Spring. Am Beispiel von DDT macht sie die katastrophalen Folgen des übermäßigen Einsatzes von Pestiziden für die Natur und die menschliche Gesundheit deutlich. Der Abbau von DDT dauert sehr lange, so dass es in der Nahrungskette verbleibt, was zu langfristigen Ablagerungen im Gewebe von Vögeln und Säugetieren führt. Ein starker Rückgang der Greifvogelpopulationen ist beispielsweise auf die Ausdünnung von Eierschalen durch DDT zurückzuführen.

Mai 2001: Zu Beginn des neuen Jahrtausends unterzeichnen 122 Länder die Stockholmer Konvention, die die landwirtschaftliche Verwendung von DDT weltweit verbietet. Heute ist DDT immer noch in kleinen Mengen zur Krankheitsbekämpfung, hauptsächlich zur Malariabekämpfung, zugelassen, wobei Indien und Äthiopien die größten Anwender sind. Seine Verwendung bleibt umstritten.

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